Zoeliakie (einheimische Sprue, gluteninduzierte Enteropathie)

Zoeliakie, was ist das?
Bei der Zoeliakie oder auch einheimischen Sprue kommt es aufgrund einer Unverträglichkeit des Dünndarms gegenüber einem Getreideeiweiß, dem sog. Gluten, zu einer dauernden Zerstörung der Dünndarmschleimhaut. Dieses Klebereiweiß Gluten ist in Roggen, Weizen, Gerste, Hafer und Dinkel enthalten.
Reis enthält kein Gluten!
Die Zoeliakie ist weltweit verbreitet, kommt aber gehäuft in Europa und bei der europäischstämmigen Bevölkerung Australiens und Nordamerikas vor. Die Häufigkeit in Deutschland liegt  bei etwa 1:1.000 und betrifft häufiger Frauen als Männer. Die Erkrankung tritt gewöhnlich schon im 1.–3. Lebensjahr auf. Ein zweiter Häufigkeitsgipfel liegt jenseits des 4. Lebensjahrzehnts. Es besteht eine genetische Disposition (erbliche Veranlagung) mit familiärer Erkrankungshäufung.


Welche Symptome deuten auf eine Zoeliakie?
Beim Vollbild der Zoeliakie leidet der Betroffene aufgrund der gestörten Verdauungsleistung des Dünndarms unter stärkerem Gewichtsverlust, Muskelschwund und Eiweißmangelödemen (Wassereinlagerung ins Gewebe, geschwollene Beine). Es treten Durchfall mit breiig-voluminösen Stühlen, Blähungen, Übelkeit, Völlegefühl, eine Blutarmut und Vitaminmangelzustände mit ihren Folgen auf. 
Bei Kindern imponieren zusätzlich Wachstums- und Gedeihstörungen.
Bei etwa 10% der Betroffenen besteht zusätzlich eine typische Hauterkrankung, die sog. Dermatitis herpetiformis Duhring (stark juckende Bläschen am Rücken, Gesäß und an den Streckseiten von Armen und Beinen).
Allerdings ist das Krankheitsbild »Zoeliakie« sehr variabel und kann sich auch nur in wenigen Symptomen (Blutarmut, Milchzuckerunverträglichkeit)  äußern (oligosymptomatische Form). Die Ursache dieses Phänomens ist bisher unbekannt.


Wie wird die Krankheit diagnostiziert?
Am Anfang steht die Erhebung der Kranken- und Familiengeschichte und die körperliche Untersuchung, ergänzt durch eine Ultraschalluntersuchung des Bauches.
Die wegweisende Untersuchung stellt die Gastroskopie (Magenspiegelung) mit Entnahme von Gewebeproben aus dem tiefen Dünndarm dar. Zusätzliche serologische Spezialblutuntersuchungen mit Bestimmung der Endomysium-, der Transglutaminase-, und auch der Gliadin-Antikörper untermauern die Diagnose zusätzlich.


Wie wird die Krankheit behandelt?
Entscheidend in der Behandlung der Zoeliakie ist es, das auslösende Krankheitsmoment - das Gluten -  aus der Nahrungsaufnahme zu eliminieren. Der Patient muss sich also konsequent und lebenslang glutenfrei ernähren. Glutenfreie Getreide sind Reis, Mais und Hirse. Die Einhaltung einer strikten glutenfreien Diät ist oft problematisch, da auch in Fertignahrungsmitteln Gluten enthalten sein kann, ohne dass es angegeben werden muss.

Bei 95% der Erkrankten finden wir ein gutes Ansprechen auf eine glutenfreie Ernährung mit einer kompletten Remission (Beschwerdefreiheit). Die Schleimhaut normalisiert sich wieder, die Mangelzustände bilden sich zurück.