Gastroenterologische Gemeinschaftspraxis Dr.med. H. Olejnik, Dr.med. K. Gadow, Hinter der Mauer 105, D-47574 GOCH, Telefon: 0 28 23 / 9 70 60.
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PATIENTENINFORMATION 

Bis 1988 war das Hepatitis C Virus noch nicht entdeckt und man nannte die insbesondere nach Bluttransfusionen aber auch sporadisch auftretende Erkrankung »non-A-non-B Hepatitis«. 1988 wurde das Hepatitis C Virus erstmalig beschrieben und mittlerweile sind mehrere Untergruppen (Genotyp 1-6 mit mehreren Subtypen) bekannt.

In Deutschland ist der Subtyp 1a und 1b am häufigsten. Ab 1991 konnten Blutspenden auf Hepatitis C Viren getestet werden. 500.000 bis 800.000 Deutsche sind inzwischen betroffen und jährlich werden 7.000 neue Fälle erwartet. In Europa rechnet man nach Schätzungen mit bis zu 5 Millionen infizierten Personen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht weltweit von etwa 170 Mio. Hepatitis C infizierten Menschen aus. In den nächsten 20–30 Jahren ist auch in Deutschland mit einem erheblichen Anstieg von Erkrankten mit Spätfolgen der chronischen Hepatitis C zu rechnen.
Die Übertragung über infiziertes Blut ist gesichert (früher: Blutkonserven, heute:  Spritzentausch bei Drogenabhängigen, Piercing, Tätowierungen). Die Übertragung über den Sexualkontakt kann zwar nicht ausgeschlossen werden, scheint aber keine große Rolle zu spielen. Das Risiko der Übertragung von der Mutter auf das Kind unter der Geburt ist wesentlich geringer als bei der Hepatitis B und beträgt ca. 5%. Deshalb ist auch eine Entbindung mit Kaiserschnitt nicht erforderlich, da hierdurch das Infektionsrisiko des Säuglings nicht gesenkt wird. Eine Virusübertragung über die Muttermilch beim Stillen wurde bei der Hepatitis C bisher nicht beobachtet.


Welche Beschwerden macht die Hepatitis C?
Zwischen Ansteckung und Auftreten von Krankheitssymptomen vergehen zwischen 1-6 Monate. In der Regel beträgt sie 6-9 Wochen. Die Zeitdauer von der Infektion bis zum Übergang in eine Leberzirrhose beträgt ohne Therapie etwa 20-30 Jahre. Meistens werden nur kurz dauernde, uncharakteristische grippale Beschwerden, Müdigkeit, Übelkeit, rechtsseitige Oberbauchbeschwerden, Lebervergrößerung und Juckreiz angegeben. Eine Gelbverfärbung der Haut und der Augen kommt nur sehr selten vor.
50-85% der Erkrankungen verlaufen chronisch, das Virus bleibt im Körper weil das Abwehrsystem es nicht schafft, die Viren zu eliminieren. Gefürchtete Spätfolgen der chronischen Hepatitis C sind die Leberzirrhose und der Leberzellkrebs (HCC=hepatocelluläres Carcinom).


Wie kann der Arzt die Diagnose stellen?
Die Diagnose wird durch spezielle Blutuntersuchungen (Leberwerte, Antikörper gegen das Hepatitis C Virus) gestellt. Zusätzlich wird die Erbinformation des Virus (HCV-RNA) im Blut nachgewiesen und der Subtyp des Virus bestimmt. Wenn nach mehr als 6 Monaten nach Erstinfektion noch eine aktive Vermehrung des Virus im Blut nachgewiesen werden kann, spricht man von einer chronischen Hepatitis C.


Wie wird die chronische Hepatitis C behandelt?
Eine frühzeitige Diagnose und eingeleitete Therapie kann den chronischen Krankheitsverlauf und die resultierenden Komplikationen (Leberzirrhose, Leberzellkrebs) verhindern.
Die Therapie der Wahl in der Behandlung der chronischen Hepatitis C stellt die Kombinationsgabe von  pegyliertem Interferon-alpha (Peg-Intron™, Pegasys™) und Ribavirin (Rebetol™, Copegus™) dar.
Pegyliertes Interferon hat Ähnlichkeit mit einem körpereigenen Eiweißstoff zur Immunabwehr von Virusinfekten und muss 1x wöchentlich unter die Haut gespritzt werden.
Spricht der Patient gut auf die Behandlung an, wird sie in aller Regel für 48 Wochen fortgeführt.
Die Interferonbehandlung kann mit erheblichen Nebenwirkungen behaftet sein, so dass 10% die Behandlung abbrechen müssen. Es kann zu Blutbild Veränderungen, grippalen Symptomen, Haarausfall, Haut Veränderungen und insbesondere zu Depressionen kommen.
Der erfahrene Gastroenterologe kennt diese Probleme und kann durch geeignete Maßnahmen gegensteuern, damit die Behandlung weiter fortgeführt werden kann. Eine regelmäßige Überwachung des Patienten mit Laborkontrollen etc. muss unbedingt erfolgen!

Ribavirin wird als »falscher Baustein« in die Erbinformation des Hepatitis C Virus eingebaut und hemmt dann die Virusvermehrung. Unter der Therapie mit dem Medikament kommt es dosisabhängig zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Zerstörung roter Blutkörperchen (osmotische Hämolyse) mit Ausbildung einer Blutarmut (Anämie). Auch dies kann zur Dosisreduktion aber auch zum Behandlungsabbruch führen. Regelmäßige Blutkontrollen sind erforderlich.

Insgesamt betrachtet, ist die Behandlung der chronischen Hepatitis C seit nunmehr fast 10 Jahren eine Erfolgsgeschichte.
Patienten mit dem Virus Genotyp 2 und 3 können mittlerweile in fast 90% der Fälle dauerhaft geheilt werden. Nicht ganz so erfolgreich sieht es bei Patienten mit dem Virustyp 1 aus. Hier liegt die Heilungsrate aber immerhin auch noch  bei etwa 50%. Durch eine individualisierte Behandlung mit sehr hoher Therapietreue des Patienten lässt sich dieses Ergebnis noch verbessern.

Sollte durch die Kombinationsbehandlung von PegInterferon mit Ribavirin die definitive Heilung im Einzelfall nicht gelingen, ist ein Nutzen trotzdem belegt:
Interferonbehandelte Patienten entwickeln im weiteren Verlauf deutlich seltener einen Leberzellkrebs und haben so eine signifikant bessere Prognose!


Allgemeine Hinweise:
Während der Therapiedauer sollte auf Alkoholkonsum bewusst verzichtet werden. Eine leichte, fettarme Ernährung ist sinnvoll.
Eine Schwangerschaft muss während der laufenden Behandlung und noch etwa 6 Monate danach sicher verhütet werden.

Eine Schutzimpfung gegen die Hepatitis C gibt es bisher leider nicht. Eine ausgeheilte Hepatitis C (wiederholt kein Virusnachweis im Blut) hinterlässt nach heutigem Wissensstand wahrscheinlich keine bleibende Immunität!

Die Entwicklung neuer Therapiestrategien läuft auf Hochtouren. Etliche neue Substanzen befinden sich in der Erprobung und rechtfertigen es, hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken!


Weitere Informationen finden Sie auch noch auf der Homepage des Deutschen Hepatitis C Forums und des Kompetenznetzes Hepatitis sowie auf unserer Linkliste .

 
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